Divide et impera !
Oder weshalb sich Zeichnungsstrukturierung lohnt


Irgendwann ist sie da, meistens gegen Projektende, völlig
  unerwartet, aufgetaucht aus den unergründlichen Tiefen der
  Korrespondenzordner, unter (wie immer) nicht zu widerlegenden
  vehementen Unschuldsbeteuerungen der Verkaufs- und Projektleitung, daß „dies alles schon von Anfang an bekannt war": ....
Die Kunden- Vorgaben für die CAD- Zeichnungsdokumentation.
   
  Unklar bleibt, mit welcher Selbstverständlichkeit mit einem Mal alle Beteiligten im Besitz der entsprechenden Unterlagen sind. Klar ist, daß der Kunde, welcher die „Dreistigkeit" besitzt, Richtlinien für eine Zeichnungsdokumentation vorzugeben, dies ist wohl von Anbeginn des Universums so festgelegt, auch ein wichtiger Kunde ist. Und wichtige Kunden haben wichtige Mitarbeiter. Wichtige Mitarbeiter nehmen ihre Arbeit sehr genau. Deren Arbeit könnte beispielsweise darin bestehen, genauestens zuprüfen, ob etwas nicht so gemacht wurde, wie es hätte gemacht werden sollen. Wobei wir wieder bei den Zeichnungen angelangt sind. Ihren Zeichnungen !
   
  Also dann,
   
 
Alle Voll-Linien in gelb, und auf Layer „0"
verdeckte Kanten „violett" und (oder besser „magenta"), mit Linientyp „dashed" dargestellt
Bemaßungen „rot" und auf Layer „DIM"
Positionszahlen weiß und auf Layer „ANNOTATION"
Texte in grün und mit Textstil „ISOCP"
bauseitige Konturen auf Layer „BUILDING"
Transporteinrichtungen auf Layer „CONVEYOR"
   
  usw...
   
... und das möchte man am liebsten überlesen:
   
  „Die Zeichnung darf keine anderweitigen Linientypen, Textstile und Layer enthalten!"
   
  Die Kommentare zur Analyse des vorliegenden Datenmaterials mögen als Einstimmung auf die jetzt zutage tretende Problematik dienen:
  „Was ist denn das?"
„Ist das von uns?"
„Das kann nicht von uns sein !"
„Wer hat das denn gemacht ?"
  Da sind zum einen die zarten „Pastelltöne" die komplexe Störkonturen und bauliche Details weniger aufdringlich erscheinen lassen sollen.
  Desweiteren „bedeutungsschwere" Layerbezeichnungen, wie „bhigkm" oder „xnr_235", wobei ein „g_kopf_ob" vergleichsweise wieder leise „Hoffnung" aufkeimen läßt. Bemaßungen - oder halt-- da sind ja schon welche in ihre Bestandteile zerlegt-- und Texte sind auf allen möglichen Layern verteilt.
  Textstile?
  Warum sollte man nicht, wenn schon angeboten, aus der reichlichen Auswahl schöpfen ?
   
  Das augenfälligste jedoch ist die Menge der Zeichnungsobjekte, die einer, dem Betrachters verborgenen Gesetzmäßigkeit folgend, auf den Zeichnungsebenen (Layern) verstreut ist.
   
  „Das sind ja im wesentlichen nur die Haupt- und Baugruppenzeichnungen" könnten Sie sich trösten, aber in diesen steckt auch die Hauptmasse des „Unrats". Diese Zeichnungen sind ein „Schmelztiegel" für Daten aus unterschiedlichsten Quellen:
   
 
ältere Zeichnungsdaten aus eigenen Hause, deren Erstellung unter dem vom aktuellen „Standard" abweichenden Vorgaben erfolgt ist.
Zeichnungen aus anderen Fachabteilungen, mit oft unterschiedlichen CAD-Systemen (zB: Elektroplanung)
Zeichnungen vom Kunden
Zeichnungen vom Kunden aus früheren Aufträgen
umgearbeitete Zeichnungen aus anderweitigen Projekten
Daten von Bauteil- Herstellern
Daten anderer projektbeteiligter Lieferanten zur Projektabstimmung
und nicht zuletzt Daten von externen Dienstleistern
   
Die Bestandsaufnahme mag wie folgt aussehen:
   
  41 verwendete Farben,
  16 unterschiedliche Textstile aus 5 Schriftfonts,
  53 Linientypen
  und 114 Layer
   
  Spätestens jetzt treibt die Begegnung mit elementarsten Gesetzen einen ehrfurchtsvollen Schauer über den Rücken und zeigt die Alltagskonsequenzen dessen, was der 2. Hauptsatz der Thermodynamik beschreibt...
   
  „In einem abgeschlossenen System nimmt die Entropie (hier Regellosigkeit) eines natürlichen (irreversiblen) Systems zu"
  und die weitere Konsequenz dessen, was der Autor der ersten drei Textzeilen des „Buch Genesis"2 offenbar bereits wußte -- und -- gab es da nicht „irgendsoeine Konstante" von einem Ludwig Boltzmann ?
   
  „Eine Verminderung der Entropie ist nur in einem offenen System unter Informations- zufuhr möglich"
   
  Die Bedeutung für Sie:
   
  Selbst unter Zuhilfenahme von Konvertierungstools, wenn Sie denn welche haben, können Sie sich oder Ihre Mitarbeiter (und jetzt vielleicht alle, die Sie haben,) einer „Informationszufuhr" der besonderen Art, einer äußerst „anspruchsvollen" und „wertschöpfenden" Tätigkeit, widmen.
   
   
Die manuelle Korrektur aller Zeichnungen
   
  Keine Frage, es kommt der Tag, an dem die Maschine oder die Anlage seefest in Kisten verpackt ist, der Speditionsfahrer des Sattelzuges nervös seine vorerst „Letzte" im Aschenbecher neben dem Kaffee- Automaten ausdrückt,
  das „Hätten wir doch ... „ oder das „Beim nächsten Mal werden wir aber gleich von vornherein..." immer seltener zu hören sein wird, bis es irgendwann ganz verstummt...
   
  Ja; das nächste Mal... Es liegt wirklich an Ihnen, wie das „nächste Mal" oder besser, das nächste „Malen" am Anfang beginnt und am Ende aussieht!
   
  © 2000 M. Winter
   
  Teile und regiere!" Leitspruch von König Ludwig XI, 1423- 1483
  Buch des Alten Testamentes, hier Bezug auf 1.Mose; Kap. 1, Verse 1-3
  Ludwig Boltzmann, österr. Physiker, 1844-1906
  In der Gleichung „Delta S = 0,7 * k *N" ist delta S die Entropiezunahme, k die Boltzmann-Konstante mit 1,38* 10 exp-23 [Ws/K] und N die Informationsverlustziffer in [Bit]
   
   
   
   
   


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